Neue Ziele leben.
Reden über Geld
"Über Geld spricht man nicht", heißt es und tatsächlich gibt es nichts, worüber die Deutschen so wenig reden wie über das liebe Geld. Zwei Gründe dafür werden immer wieder genannt: Wer viel Geld hat, der fürchtet den Neid. Wer wenig hat, schämt sich, besonders wenn er Schulden hat.
Schlechte Position in der Gehaltsverhandlung
In vielen Ländern gehört das Reden über das Gehalt genauso selbstverständlich zum Smalltalk wie das Wetter oder die jüngsten Fußballergebnisse. In Deutschland löst die Frage nach dem Einkommen betretenes Schweigen aus. Viele Arbeitsverträgen enthalten eine Klausel, das vereinbarte Gehalt vertraulich zu behandeln. Dem fühlen sich Arbeitnehmer verpflichtet. Die Konsequenz ist jedoch allgemeine Unsicherheit über die marktüblichen Vergütungen. Da kommt ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommern gerade recht: Schweigeklauseln zur Vergütung sind nicht wirksam. Es muss den Beschäftigten erlaubt sein, über ihr Gehalt zu reden, damit sie erkennen können, ob ihr Arbeitgeber gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstößt, begründet das Gericht.
Mangelnde finanzielle Kompetenz
Die Zurückhaltung hat einen weiteren hohen Preis. Das Wissen um Geld und Finanzen ist in Deutschland nicht allzu stark verbreitet. Ob jung oder alt - in Sachen Geldkompetenz können alle noch etwas lernen. Seit einigen Jahren geraten immer mehr Junge Erwachsene in die Schuldenfalle, sobald sie das Elternhaus verlassen. Die Entwicklung nimmt derart starke Formen an, dass verschiedene Organisationen Unterrichtsmaterialien für die Schulen anbieten, um der Unwissenheit und der steigenden Verschuldung entgegen zu wirken.
Die Elterngeneration macht keine so viel bessere Figur. Verträge von Bank- oder Versicherungsberatern werden einfach unterschrieben. Manch einer kauft Aktien, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass er das Geld auch verlieren kann. Hohe Zinsen werden immer mit hohen Risiken erkauft - der Grundsatz ist noch lange nicht überall bekannt.
Tabu mit langer Tradition
Geld ist so wenig Gesprächsthema, dass ihm der Knigge auf seiner Website keinen Eintrag gewidmet ist). Geld schafft Hierarchien. In Deutschland ist jedoch soziale Ausgeglichenheit erwünscht. Wer seinen Reichtum offensiv zur Schau stellt, kann sich schnell den Ruf eines Neureichen einfangen. Ein solches Verhalten gilt als peinlich.
"Geld ist mir nicht so wichtig", das wiederum kann man sagen. Geld gering zu schätzen, adelt moralisch. Coachs haben alle Hände voll damit zu tun, mit ihren Klienten eine gesunde, positive Haltung zum Geld zu erarbeiten. Und nicht selten liegen die tieferen Gründe für eine Verschuldung in der inneren Einstellung zum Geld.
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