Neue Ziele leben.
Hamburg: Hochburg für Privatinsolvenzen?
Der "schönsten Stadt Deutschlands" eilt ein Ruf voraus: In den Städte-Rankings belegt die Metropolregion vordere Listenplätze als Stadt mit hervorragenden wirtschaftlichen Perspektiven und besonders hoher Lebensqualität.
Dennoch gehört Hamburg zu den zehn deutschen Großstädten mit der höchsten Privatverschuldung. Wie kann das sein?
Der aktuelle SchuldenAtlas 2011 der Creditreform nennt die Zahlen: In Deutschland sind insgesamt 9,38 Prozent der Haushalte überschuldet. Die mittlere Schuldenhöhe beträgt 33.700 Euro.
Generell lässt sich ein Nord-Süd-Gefälle erkennen. In Deutschland müsste man richtiger von einem Süd-Nord-Gefälle sprechen, denn die Privathaushalte der Bundesländer aus den Postleitzahlengebieten 2 und 3 sind mit 10,32 Prozentpunkten sichtbar höher verschuldet als das übrige Deutschland. In Hamburg sind es sogar 10,46 Prozent. Die Stadt liegt damit auf Platz 10 von 16 Bundesländern.
Der Konsumanreiz in den großen Städten sei einfach stärker als auf dem Land, sagt dazu der Schuldenatlas 2011. Der als notwendig erachtete "Statuskonsum" liege höher und die Selbstinszenierung sei wichtiger als in ländlichen Regionen. Zudem sammelten sich in den Metropolen gesellschaftliche Milieus, die zu Konsum und damit zu Verschuldung neigten, namentlich die Konsum-Hedonisten und Experimentalisten. Auf der andere Seite lebten in den Städten verstärkt gesellschaftliche Gruppen mit prekären Einkommensverhältnissen. Diese versuchten, ihre Benachteiligung mit kreditfinanziertem Konsum auszugleichen und Anschluss an die Mittelschicht zu gewinnen.
Die Verschuldungsquote im Norden hat aber noch mindestens einen zweiten Grund: Privatinsolvenzen gehen zu fast einem Drittel auf das Konto von Arbeitslosigkeit. Den Job zu verlieren gehört zu den größten Insolvenzrisiken überhaupt. In Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit müssten demnach mehr verschuldete Privathaushalte leben als anderswo. Und richtig: Im Oktober 2011 meldete die Bundesagentur für Arbeit eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent für ganz Deutschland. In Hamburg lag die Arbeitslosigkeit dagegen bei 7,4 Prozent und damit fast einen ganzen Prozentpunkt höher. Immerhin: Der Oktober-Bericht aus Hamburg sagt auch, dass die Arbeitslosigkeit in Hamburg grundsätzlich sinke und Fachkräfte dringend gesucht seien.
Schulden und Schulden sind zweierlei. Das Beispiel Hamburg zeigt, welche Rolle die Standortbedingungen spielen.News-Schlagworte
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