Neue Ziele leben.
Geldkultur im Vergleich: Deutschland / USA
Sparen als kulturelles Phänomen
Sind die Amerikaner selbst daran schuld? Die Deutschen gehen mit Krediten viel vorsichtiger um. Im Vergleich stehen sie mit "nur" 13.000 Euro in den roten Zahlen. Princeton-Historiker Sheldon Garon sucht die Ursachen in der jeweiligen Geldkultur. Die europäische Neigung zum Sparen begann seiner Meinung nach im viktorianischen Zeitalter, zeitgleich mit der Industrialisierung. Sparen wurde zur Tugend erklärt. Sogar die Schulkinder hielt man zum Sparen an. Vor dem ersten Weltkrieg hatten ein Drittel aller deutschen Haushalte ein Sparbuch. In den USA waren es nur zehn Prozent.
Bis heute nehmen die Deutschen ihren Sparauftrag besonders ernst: Sie sind ungefähr doppelt so sparsam wie die Amerikaner. Von den internationalen Partnern haben sie sich deshalb Kritik eingefangen. Ob nämlich das Sparen überhaupt so sinnvoll ist, darüber streiten sich die Experten. Geld, das auf Konten liegt, entzieht sich dem Konsum. Weniger Konsum bedeutet weniger Umsatz. Weniger Umsatz bedeutet schwaches Wirtschaftswachstum ... bedeutet höhere Staatsverschuldung ... bedeutet einen schwachen Euro ... und, und, und ... Mit ihrer Sparneigung bremsen die Deutschen die Konjunktur aus.
Deutschland steuert auf einen amerikanischen Weg zu
Soll man nun für Vaterland und Eurozone konsumieren? Das kann die Lösung nicht sein. Keinesfalls wollen wir dem ungebremsten Schuldenmachen das Wort reden! Vielmehr wollen wir zeigen, dass unsere Umwelt einen starken Einfluss darauf hat, was wir für richtig halten. Auch in Deutschland hat sich die Einstellung zum Schuldenmachen gewandelt. Seit den 50er Jahren ist die Akzeptanz von Konsumkrediten stark gestiegen. Schulden gelten nicht mehr als so anstößig wie früher. Der leichtherzigere Umgang mit Schulden hat jedoch seinen Preis: In Deutschland ist heute knapp jeder zehnte Haushalt überschuldet!
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